Deutsch-Themen aus dem Deutschunterricht von einem Schüler für Schüler

Nachfolgend findet man eine sehr ausführliche Charakterisierung von Johann der Novell „Zweier ohne“ von Dirk Kurbjuweit. Hier erfährt man, wie sich Johanns Charakteristik im Laufe der Geschichte verändert hat. Fragen und Anmerkungen können jederzeit per Kommentar auf dieser Seite hier hinterlassen werden.

Johann ist eine der zentralen Personen der Novelle „Zweier ohne“ und gleichzeitig auch Erzähler. Aus seiner Sicht erfährt man, wie er Ludwig kennengelernt hat, wie die beiden Freunde und später Zwillinge geworden sind.

Von der Größe ähnelt Johann seinem Freund Ludwig, ist also mittelgroß. Der junge, elfjährige Johann macht zu Beginn des Buchs einen schüchternen und passiven Eindruck. Er sucht dringend einen Freund, findet aber keinen. Dabei ist er vor allem passiv, er wartet darauf von jemand anderes angerufen zu werden (S. 15), ruft selbst aber keinen an.

Beim ersten Aufeinandertreffen ist Johann gleich von Ludwig fasziniert. Dass die beiden überhaupt Freunde wurden, lag weniger an Johann als an Ludwig. Denn Ludwig rief Johann an, Ludwig selbst blieb passiv und wartete auf den Anruf. Das Ludwig der aktive Part und Johann der passive Part in der Freundschaft zukommt, bleibt bis auf Ausnahmen auch bestehen. So war es Ludwigs Idee Zwillinge zu werden (S.48), Ludwig redete mit Josefine, damit sie mit beiden Sex hat (S. 36), Ludwig ließ den ersten Schlag gegen Josefine Bruders los (S. 56), von Ludwig stammt die Idee des asiatischen Turms (S.78), Ludwig stiftet Johann dazu an, ohne Führerschein mit dem Motorrad zu fahren (S. 68) usw.

Johanns Unsicherheit und Ängstlichkeit wird auch im ersten Kapitel im Haus von Ludwig noch einmal deutlich. Johann kann nicht einschlafen, fühlt sich nicht wohl und möchte zurück in sein Zimmer neben seinen Eltern, wobei die Tür ein bisschen aufgelassen sein soll (S. 17). Auch eine ängstliche Seite zeigt sich in dieser Nacht, in der er glaubt Geister gingen im Haus umher.

Ebenfalls beim ersten Treffen mit Ludwigs Vater macht Johann noch einmal seine Unsicherheit deutlich. So meint er, dass ihm normalerweise der Part zukommt, „verlegen zu sein“, wenn er einem fremden Erwachsenen begegnet. (S. 22)

Durch seinen starken Wunsch nach einem Freund, macht er sich gegenüber Ludwig manipulierbar. Er ist Ludwig fast schon hörig, kann trotz seiner großen Angst Ludwig so gut wie keinem Wunsch/Befehl ausschlagen. Darum fühlt sich Johann auch zu Ludwig so hingezogen, mit dem Zwillingsschwur überwindet er seine Ängste und Unsicherheiten. Dies begründet der erzählende Johann auch im Buch auf S. 49:

Und dann kommt jemand und sagt: Ich will genauso sein wie du.Wie phantastisch das ist. Wie sicher einen das macht.
[…]
Ein Zwilling zu haben konnte einen von vielem befreien.

Die Angst vor seinen Ängsten bindet Johann so stark an Ludwig. Im ersten Kapitel, S. 35 schreibt er:

Man braucht einen Freund gegen die Angst. Ludwig konnte mir gegen die schlimmste meiner Ängste helfen.

Mit der weiteren Zeit wird Johann von Ludwig immer mehr isoliert. Das fängt damit an, dass Ludwig meint, Johann sollte sich Josefine aus dem Kopf schlagen. Dann möchte er, dass Johanns Vater die beiden nicht mehr zu den Rennen fährt. Bei Johanns altem Kumpel aus der Grundschule ist Ludwig der Meinung, er passe nicht zu ihnen. Und selbst von Johanns Mutter entfremdet er ihn. Für Johann geht das aber alles in Ordnung, er fühlt sich damit Ludwig noch näher. Warum sich Johann so stark an Ludwig binden lässt, liegt wahrscheinlich auch an den Familienverhältnissen begründet, in denen Johann aufwächst. Zwar erfährt der Leser nicht viel, doch die Einblicke die er erhält, lassen auf kein intaktes Familienleben schließen. So sind Johanns Eltern getrennt (seit er 12/13 war). Während Johanns Vater eine neue Freundin gefunden hat, ist Johanns Mutter alleine. Johann lebt mit ihr entfremdet sich aber auch von ihr. Es ist nicht außergewöhnlich, dass er in der Pubertät sich für sie schämt. Johann schämt sich aber nicht nur für seine Mutter, sondern er bemitleidet sie (S. 94). Dies deutet auf ein gestörtes Verhältnis zwischen Johann und seiner Mutter hin.

Seine erste sexuelle Erfahrung macht Johann mit Josefine. Anschließend verzichtet er mit Rücksicht auf Ludwig auf weitere Erfahrungen in diesem Bereich. Ausgerechnet bei Ludwigs Schwester Vera kann er sich dann aber nicht mehr zurückhalten. Johann traut sich nicht Ludwig auf sein Verhältnis mit Vera anzusprechen. Er weiß ganz genau, dass dies die innige Freundschaft schädigen oder gar zerstören könnte. Dennoch fühlt er sich schuldig. So meint der Erzähler Johann, dass er im Blick der Katze, die sie manchmal beim Liebesspiel beobachtete, einen Vorwurf sehen würde (S. 84).
Am Anfang ist die Beziehung mit Vera nur eine Affäre. Sie beschränkt sich eigentlich nur auf den Sex, den sie aber auch nur haben, wenn Ludwig im Bett ist und so Johann Zeit hat. Darüber hinaus verbringt er mit Vera keine Zeit zusammen und macht ihr dies auch deutlich, dass er daran nichts ändern möchte (S. 87). Er möchte keine Dreierbeziehung, sondern zwei klar getrennte Zweierbeziehungen. Da aber schon die Beziehung zu Ludwig fast sein komplettes Leben ausfüllt, bleibt für Vera kaum noch Platz. Für Vera ist dies aber zu wenig, wirft das Johann auch vor (S. 88/89) und sucht wahrscheinlich auch deshalb Ausgleich bei ihrer Freundin Flavia.

Im weiteren Verlauf entwickeln sich Ludwig und Johann auseinander. Auch wenn das Johann auffällt, sprich er Ludwig nicht darauf an, zeigt für das mürrische Verhalten seines Freundes sogar noch Verständnis. Als Ludwig anfängt sich kurz vor dem Landesentscheid voll zu fressen und deshalb die Teilnahme in Gefahr ist, beginnt Johann im Gegenzug zu hungern. Diese Aufopferung nimmt Johann aber physisch und psychisch mit. Dennoch bleibt Johann bei der Überzeugung, dass diese Entwicklung in verschiedenen Richtungen die höchste Stufe der Freundschaft ist, da sie im Gleichschritt geschah (S. 117).

Die Entfremdung der beiden findet dann ihren Höhepunkt mit dem gescheiterten Rennen im Landesentscheid. Die anschließende lange und intensive Umarmung, kann als ein Art Abschied angesehen werden. Selbst Johann interpretiert dies so (S. 118):

Ich würde sagen, es war eine Umarmung, so wie man sie in den Filmen sieht, wenn einer auf ein Dampfschiff steigt und ein anderer bleibt zurück.

Und tatsächlich scheint Johann danach etwas befreiter zu sein. So kann er sich erst einmal voll essen und auch endlich wieder Zeit mit seiner Mutter verbringen (S. 119). Selbst die Beziehung mit Vera scheint nun einen Schritt weiter zugehen. Erst bei der Situation auf der Brücke (S. 121) wird Johann bewusst, dass Vera ihn liebt und er Vera liebt. So kann er nun zwar Vera auch zu sich nachhause einladen, Ludwig davon erzählen aber immer noch nicht. Dafür ist die Verbindung zwischen den beiden immer noch zu stark und erst mit Ludwigs Tod ist Johann ganz frei. Doch auch wenn Vera und Johann nun zusammenkommen ist es doch wieder Ludwig der die beiden trennt und dafür sorgt, dass Johann nicht mehr zu einer Beziehung fähig ist.




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