Geschichtlicher Hintergrund des Romans Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Der geschichtliche Hintergrund des Romans „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ ist in der Kultur und Politik um 1900, also der Zeit des jungen Musil, anzusiedeln. Hier handelt es sich um den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert mit grundlegenden Umwälzungen in Deutschland im Bereich der Politik. Das deutsche Kaiserreich (1871-1918) erlebt einen Wandel vom Agrar- zum Industrieland und entwickelt sich in der Folge zu einem der stärksten europäischen Industrienationen. Die Entwicklung einer Demokratie wurde jedoch unterdrückt, die Entwicklung einer Militärmonarchie begünstigt. Diese und andere innere Unruhen und Unsicherheiten führten jedoch auch zu einer Instabilität. Der konservative Obrigkeitsstaat erhält die Unterstützung des Bürgertums, welches natürlich von der wirtschaftlichen Entwicklung profitiert.

Parallelen zwischen der Situation in Deutschland und Österreich sind zu sehen im Vergleich des deutschen Kaiserreiches mit der Donaumonarchie. Das ursprüngliche Ziel war die Liberalisierung der Verfassung und der „Zuflucht“ zum bürokratischen Regime. Die Lage im Vielvölkerstaat ist angespannt und die nationale Frage immer noch ungelöst. Die Folge dessen ist der 1. Weltkrieg und einer extremen Destabilisierung der außenpolitischen Situation durch die Politik Wilhelms II (imperialistischer Gedanke). Als Zusammenfassung der geschichtlichen Hintergründe kann also die Lage im Deutschen Kaiserreich und der Donaumonarchie um die Jahrhundertwende mit einem anachronistschen Festhalten gekennzeichnet werden. Demokratische Kräfte werden unterdrückt, im politischen-gesellschaftlichen Bereich ergeben sich vehemente Defizite und die wirtschaftliche Entwicklung ist nur eine Scheinstabilität. All diese Aspekte führen letztlich zum Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches und der Donaumonarchie.

Auch die Kunst und die Literatur um das 19. Jahrhundert spielt eine wichtige Rolle. In diesem Bereich spiegelt sich eher ein uneinheitliches Bild wieder und entfaltet eine „verwirrende“ Vielseitigkeit unterschiedlicher Stilrichtungen. Die abstrakte Malerei erfährt erste Anfänge und in der Literatur entwickeln sich Gegenströmungen zum dominierenden Naturalismus.

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